That Night: Schuldig für immer – Chevy Stevens

Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch
Erscheinungstag: 25. Juni 2015
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596030330
Originaltitel: That Night
Genre: Thriller

© Alle Rechte am Coverbild liegen beim Verlag/Autor.

 

Klappentext:

WENN DU SIE NICHT GETÖTET HAST, WER DANN?
Sie haben dich verurteilt. Wegen Mordes an deiner Schwester. Du weißt nicht, was in jener Nacht geschehen ist. Aber du weißt, dass der wahre Mörder irgendwo dort draußen sein muss. Und jetzt kommst du frei.

Meinung zum Buch:

Das Cover hat es mir angetan! Ich finde es unglaublich schnieke. Der Titel … naja, ich und deutsche Untertitel. Es nervt mich einfach. That Night ist aber ein passender und guter Titel für den Roman.

Das Buch setzt im Jahr 2012 in der JVA an. Genau an dem Tag, an dem Toni entlassen wird, nachdem sie wegen Mord gesessen hat. 15 Jahre lang und das mit dem Wissen, dass sie die Tat nicht begangen hat.
Eine super spannende Ausgangssituation, die im Großen und Ganzen auch durchaus mitreißend war, wenngleich nicht immer besonders spannend. Toni selbst ist ein Charakter, der mir sehr sympathisch war. Ich fand die rebellische Teenager-Toni auch schon nicht schlecht, aber die reifere Toni mochte ich noch um einiges lieber. Sie erzählt aus ihrer Perspektive (1. Person – Ich), was den Leser in ihre Gedanken- und Gefühlswelt blicken lässt. Man fühlt in jeder Lage mit und ich konnte sie eigentlich immer verstehen. Besonders ihre Beziehung zu den Eltern war ergreifend.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, treffend und präzise. Die Emotionen kommen rüber, ohne zu viel zu werden. Es hatte genau das richtige Maß an Gefühl, sodass sich ein ausgewogenes Verhältnis von nüchternem und geladenem Sprachgebrauch das Buch über gehalten hat. Großartig!

Die Handlung hätte an manchen Stellen ruhig etwas gestrafft werden können, da gerade am Anfang bis hin zur Mitte des Buches Längen entstanden, die durch den flüssigen Sprachstil gut zu lesen waren und kaschiert wurden, jedoch konnte der auch nicht zur Gänze über das Fehlen von Spannung hinwegtrösten. Man erfährt sehr viel aus der Vergangenheit. Unter anderem dadurch, dass zwischen dem Vorher (1996-98) und Nachher (2012/13) gewechselt wird. Der Leser begleitet somit Teenie und (Ex)Knacki-Toni. Beide Seiten haben ihre ganz eigenen Reize und Atmosphären, was mir äußerst gut gefallen hat. Man erfährt viel über ihre Schwester Nicole und die Mädchenclique, die die Schwestern auseinandertreibt. Insgesamt waren die Charaktere allesamt sehr gut ausgearbeitet, auch wenn hie und da Klischees bedient wurden – mir kam häufig Pretty Little Liars in den Sinn.

Die Beziehung zwischen Toni und Ryan fand ich sehr gut ausgearbeitet. Gerade Ryan war ein Charakter, den ich nur schwer einschätzen konnte, was für den Ausgang der Geschichte sehr gut war.

Das Ende des Buches konnte mich überzeugen. Es war halbwegs überraschend, halbwegs vorhersehbar. Gewollt oder nicht, kann ich nicht ganz genau sagen. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass Chevy Stevens gar nicht erst versuchte daraus ein Geheimnis zu machen, aber dann wurden doch kleine Szenen eingestreut, die den Verdacht immer mal wieder auf andere Beteiligte gelenkt hat. Allerdings konnte sie mich zumindest nicht ganz an der Nase herumführen. Und doch kam es zu einem klitzekleinen Detail, worauf ich eigentlich von selbst hätte kommen müssen. Ich gebe dem guten, fließenden Schreibstil die Schuld, dass ich das nicht hab kommen sehen. *hust*

FAZIT ist, dass mir das Buch insgesamt sehr gut gefallen hat. Besonders die genau skizzierten und ausgemalten Charaktere konnten bei mir durch Glaubwürdigkeit punkten. Der Schreibstil hat das Übrige dazu getan. Klare Kaufempfehlung für all jene, die nicht 100% Spannung brauchen und wert auf tolle Charaktere sowie eine ergreifende Hintergrundstory legen. Wären in der ersten Hälfte nicht die Längen gewesen, hätte Chevy Stevens ein paar mehr Spannungsmomente gestreut und das Ende überraschender gestaltet, gäbe es die volle Punktzahl. Aber ich möchte fair bleiben. So sehr ich das Buch mochte, von einem Thriller hätte ich ein bisschen mehr „Thrill“ erhofft. Dennoch tolles Buch!!
So reicht es für mehr als sehr gut gemeinte 4 von 5 Sternen.

© D. B. Granzow