Red Queen/Die Rote Königin – Victoria Aveyard

Originalausgabe:

Taschenbuch: 416 Seiten (laut Amazon, meins hat 392 Seiten…andere Auflage?)
Verlag: HarperTeen
Erscheinungstag: 15. Februar 2015
Sprache: Englisch
ISBN-13: 978-0062310644

Deutsche Ausgabe:

Gebundene Ausgabe: 512 Seiten (noch kein Taschenbuch erhältlich)
Verlag: Carlsen
Erscheinungstag: 28. Mai 2015
ISBN-13: 978-3551583260

Genre: Fantasy
Reihe: Die Farben des Blutes, Bd. 1

© Alle Rechte am Coverbild liegen beim Verlag/Autor.

 

Klappentext:

Will her power save her or condemn her?

Mare Barrow’s world is divided by blood—those with common, Red blood serve the Silver- blooded elite, who are gifted with superhuman abilities. Mare is a Red, scraping by as a thief in a poor, rural village, until a twist of fate throws her in front of the Silver court. Before the king, princes, and all the nobles, she discovers she has an ability of her own.
To cover up this impossibility, the king forces her to play the role of a lost Silver princess and betroths her to one of his own sons. As Mare is drawn further into the Silver world, she risks everything and uses her new position to help the Scarlet Guard—a growing Red rebellion—even as her heart tugs her in an impossible direction. One wrong move can lead to her death, but in the dangerous game she plays, the only certainty is betrayal.

Deutsches Pendant:

Rot oder Silber – Mares Welt wird von der Farbe des Blutes bestimmt. Sie selbst gehört zu den niederen Roten, deren Aufgabe es ist, der Silber-Elite zu dienen. Denn die – und nur die – besitzt übernatürliche Kräfte. Doch als Mare bei ihrer Arbeit in der Sommerresidenz des Königs in Gefahr gerät, geschieht das Unfassbare: Sie, eine Rote, rettet sich mit Hilfe besonderer Fähigkeiten! Um Aufruhr zu vermeiden, wird sie als verschollen geglaubte Silber-Adlige ausgegeben und mit dem jüngsten Prinzen verlobt. Dabei ist es dessen Bruder, der Thronfolger, der Mares Gefühle durcheinander bringt. Doch von jetzt an gelten die Regeln des Hofes, Mare darf sich keine Fehler erlauben. Trotzdem nutzt sie ihre Position, um die aufkeimende Rote Rebellion zu unterstützen. Sie riskiert dabei ihr Leben – und ihr Herz … — Fesselnd, vielschichtig und voller Leidenschaft: Victoria Aveyard entwirft eine faszinierende Welt mit einer starken Heldin, die folgenschwere Entscheidungen treffen muss. Es geht um Freundschaft, Liebe und Verrat, um Politik, Intrigen und Rebellion, um Gut und Böse – und jede Schattierung dazwischen.

Meinung zum Buch:

Der Kauf dieses Romans hat einige Überlegungen gekostet. Warum? Weil es plötzlich von heute auf morgen in gefühlt jedem Blog rezensiert wurde und mir nicht ganz einleuchten wollte, was an diesem Buch so besonders sein mochte. Schließlich habe ich nachgegeben und es gekauft. Da ich lieber Taschenbücher lese, habe ich mir die Originalausgabe besorgt, da in Deutschland bisher nur die gebundene Fassung erhältlich ist. (Komischerweise zeigt mir Amazon an, dass das Taschenbuch noch nicht erhältlich sei, aber warum habe ich das dann zu Hause liegen? Habs im Buchladen gekauft. Naja… ) Ich fand weder das deutsche noch das englische Cover besonders ansprechend. Hier war ganz klar: das Buch ist auf die weibliche Leserschaft ausgerichtet. Der Titel ist erst einmal nichtssagend. Ich weiß nach dem Lesen auch nicht, ob es so treffend gewählt ist.

Zu Beginn treffen wir Mare Barrow an, die ihrer üblichen Tätigkeit des Langfingerdaseins nachgeht und gemeinsam mit ihrem besten Freund Kilorn als Zuschauer an den Kämpfen in der Arena teilnimmt. Was es mit dieser Tradition auf sich hat, macht Mare gleich deutlich und dazu liefert sie Informationen über die Welt. Kurz danach lernt man ihre Familie kennen, die sehr arm dran ist. Einzig ihre kleine Schwester scheint ein Lichtblick in der hoffnungslosen Situation zu sein.
Grundsätzlich fand ich Mare ganz in Ordnung. Ich würde definitiv nicht sagen, dass ich sie besonders sympathisch fand, aber unsympathisch war sie mir ebenso wenig. Irgendwie hatte sie etwas an sich, das mich nicht ganz warm mit ihr werden ließ. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass Aveyard ihre Protagonistin besonders hart erscheinen lassen wollte, wobei sie eigentlich eher ruhig und nett wirkte, doch auch sehr verbittert. Ich fand sie schwer zu greifen. Insgesamt ging mir das nicht nur bei ihr so. Ich hatte den Eindruck, dass in dieser Welt alles so auf die HAURUCK-Methode gemacht wird. Die einzelnen Charaktere hatten ihre Vorzüge aber auch deutliche Schattenseiten, die mich immer auf Distanz gehalten haben. Da war niemand, auf den ich mich einlassen konnte – oder wollte.

Die Handlung konnte mich Stellenweise total überzeugen, an anderen Stellen dann wieder so gar nicht. So fand ich beispielsweise die schicksalhafte Begegnung vor der Taverne ziemlich abgedroschen, die jedoch nötig war, um Mare in den Palast zu den Silberblütern zu bringen. Die Grundidee mit der Unterscheidung der Menschen aufgrund ihres Blutes war interessant. Ebenso wie die einzelnen Fähigkeiten und die Bezeichnung derer, die sie innehabe. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ich mochte sowieso die ganze Sippe, die so grausam wie faszinierend war. Auch die Königin und den König sowie die einzelnen Adelshäuser waren gut durchdacht und vielseitig. Das gab Pluspunkte! Allerdings wurde meine Begeisterung durch ein sehr klischeehaftes Denken gedämpft. Es gab wieder die 0815-Fieslinge, die Mare das Leben schwer gemacht haben.
Bedenken hatte ich außerdem, dass dieses Buch mit zu viel Kitsch und Geschnulze aufwartet, was definitiv nicht (ganz) der Fall war. Ich fand die einzelnen Szenen, in denen eine Spur von Romantik aufkam ganz und gar nicht schlimm und auf jeden Fall erträglich.

Der Schreibstil im Englischen war für das Genre und die Zielgruppe sehr passend und angemessen. Für jeden der häufig auf Englisch liest, sollte der Großteil verständlich gewesen sein. Natürlich waren die einzelnen Fähigkeiten und Bezeichnungen knifflig, aber das wird im Deutschen nicht anders sein. Ich fand die Sprache sehr packend, lebhaft und fließend, sodass die ganze Zeit über Gefühl aufkam und mir das Lesen leicht gemacht wurde. Zur Deutschen Ausgabe kann ich nur meinen Eindruck der Leseprobe mitteilen, der mir das bestätigen konnte (vorsichtig gesagt).

Ein Highlight habe ich in dem Buch leider vermisst. Es gab einzelne Momente, in denen mich Victoria Aveyard mit ihrer Geschichte überraschen konnte, doch mindestens genauso viel war für mich vorhersehbar. Die Intrigen haben mir generell gefallen und auch der Ausgang des Buches, der Wendepunkt der Geschichte, war gut gemacht und schön umgesetzt, sodass Lesespaß aufkam! Den Weltenentwurf fand ich von der Idee her super, jedoch in der Umsetzung mangelhaft (was hat dieser Krieg für einen Sinn, der seit gefühlten Ewigkeiten andauert? – es wirkte gewollt dramatisch, damit die Welt auf Hängen und Würgen düster und grausam wirkt. Das war mir zu aufgezwungen, zu konstruiert.)

Das Genre: Zwar wird hier von Fantasy gesprochen, was durchaus zutrifft, aber ich hatte wieder einmal die ganze Zeit eher Dystopiefeeling, das mich normalerweise deutlich mehr begeistert.

FAZIT ist, dass mich das Buch nur zu 50% überzeugen konnte. Da es gerade im Englischen gezielt mit den dystopischen Bestsellerreihen Die Bestimmung und Die Tribute von Panem beworben wurden, habe ich einfach mehr erwartet. Ich werde wohl aus Neugier die Fortsetzung der Roten Königin lesen, spreche aber keine klare Kaufempfehlung aus. Für junge Leser vielleicht ein schönes Buch, für mich – vielleicht werde ich zu alt für Jugendromane – jedoch nicht. Wer gerne solche Bücher liest, soll sich nicht abhalten lassen und sich eine eigene Meinung bilden.
Ich möchte keine 2 Sterne geben, da es sich gut lesen lässt und auch nicht schlecht war. Für die Zielgruppe womöglich sogar ein echter Leckerbissen, für mich leider weniger. Knappe 3 von 5 Sternen.

 

© D. B. Granzow

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