Cry Baby: Scharfe Schnitte – Gillian Flynn

Broschiert: 332 Seiten
Verlag: FISCHER Scherz
Erscheinungstag: 8. Januar 2014
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3651011649
Originaltitel: Sharp Objects
Genre: Thriller

© Alle Rechte am Coverbild liegen beim Verlag/Autor.

 

Klappentext:

›Babydoll‹ steht auf ihrem Bein. ›Petticoat‹ auf ihrer linken Hüfte. ›Böse‹ findet sich ganz in der Nähe. ›Girl‹ prangt über ihrem Herzen, ›schädlich‹ ist in ihr Handgelenk geritzt. Camille Preakers Körper ist übersät mit Wörtern. Wörtern, die sie sich in die Haut geritzt hat. Das letzte Wort, das sie sich einritzte, hieß ›verschwinden‹. Danach stellte sie sich. Den Therapeuten, aber auch ihrer Vergangenheit. In ihrer alten Heimatstadt Wind Gap wurden zwei Teenager entführt und
ermordet. Camille Preaker soll den Fall für ihre Zeitung vor Ort recherchieren. Sie findet die Dämonen ihrer Kindheit. Und die verbreiten nicht nur Angst und Schrecken, sondern töten auch.

Meinung zum Buch:

Ich habe das Buch gekauft, weil ich Gone Girl schon gesehen hatte und deshalb keinen Sinn darin sah, es zu lesen (vielleicht demnächst mal). Da mir der Film jedoch gut gefiel und das Buch soweit auch gut sein soll, habe ich mich nach einem Werk der Autorin umgesehen und mich für dieses entschieden. Das Cover ist schlicht und dadurch nicht besonders spektakulär. Passt zum Genre und ich mag Schlichtheit, von daher alles gut. Der Titel ist wieder so eine Sache – warum immer Englisch UND Deutsch? Ich bin kein großer Fan von diesen deutschen Zusätzen, die dann als Untertitel fungieren. Es sagt im Endeffekt doch niemand „Oh, ich habe gestern Cry Baby: Scharfe Schnitte gelesen.“, also warum dann dieser Zusatz? Ich verstehe es einfach nicht… Übersetzt hieße der Titel so viel wie „Weine, Baby!“ oder kann auch „Heulsuse“ bedeuten. Wenn trifft die erste Form eher zu, aber auch nicht so richtig. Da dann schon eher der unschöne deutsche Untertitel.

Wir treffen Camille zu Beginn des Buches an ihrem Arbeitsplatz und erfahren direkt, dass sie als Journalistin für eine Zeitung mit mittelmäßigen bis schwachen Auflagen in Chicago arbeitet. Ihr Chef schickt sie in ihre alte Heimat, um in dem Fall der entführten Mädchen zu recherchieren.
Ich fand Camille so faszinierend wie abstoßend. Schnell wird klar, dass sie ein sehr kaputter, verkorkster Mensch ist. Allerdings fand ich sie allgemein sehr interessant. Sie ist in ihren frühen Dreißiger (meine ich), jedoch erscheint sie manches Mal jünger. Wie ein Teenager, der sich erwachsen verhalten möchte. Das hatte seinen Reiz, führte gerade zum Schluss jedoch zu sehr fragwürdigen Verhaltensweisen. Ihre Mutter sowie ihr Ziehvater sind sehr eigensinnige Charaktere, die ich auf Anhieb als äußerst seltsam empfand.

Die Handlung ist – ja wie soll man das sagen – flach. Es passiert nicht viel, außer dass Camille die betroffenen Familien aufsucht und auf Leute aus ihrer Vergangenheit trifft, die sie alle grundsätzlich doof findet, aber um Informationen zu bekommen, sind sie genau richtig. Vor allem wenn dann noch Alkohol ins Spiel kommt. Leider kam mir schnell ein erster Verdacht, der sich das ganze Buch über hielt. Ich weiß nicht ob es von der Autorin gewollt war, aber in einer Situation war mir klar, was Sache ist. Das fand ich sehr schade. Wie in jedem Thriller gibt es einen Ermittler von der Polizei und ein paar dubiose Gestalten. Mein Verdacht schien sich allerdings immer mehr zu bestätigen.

Der Schreibstil war sehr fließend und passend für die Geschichte eher nüchtern und ohne zu viel Gefühlsduselei. Ließ sich unglaublich gut lesen und die Seiten sind nur so verflogen.

Es gab ein paar sehr fragwürdige Szenen und trotz des sich zuspitzenden Verdachts war eine gewisse Spannung schon noch vorhanden. Allerdings rührte die nicht daraus, dass die Geschichte so einnehmend und unheimlich war, sondern dass Camille selbst und ihre Familie psychologisch gesehen alle den Schuss nicht gehört haben und dementsprechend ein sehr verstörendes wie erschreckendes Verhalten an den Tag legten.

Letztendlich kam eine Sache dazu, an die ich anfangs nicht im Traum auch nur einen Gedanken verschwendet habe. In der Mitte des Buches wurde allerdings auch dieser Handlungsstrang für mich klarer. Jedoch kam da endlich mal eine Unsicherheit in mir auf, die mich meinen Verdacht kurz überdenken ließ. Das war wirklich gut, da ich mir echt nicht mehr ganz sicher war, doch ich habe mich nicht reinlegen lassen (auch wenn ich kurz davor war). Das Ende/Die Auflösung kam mir dann allerdings viel zu plump einfach auf zwei oder drei Seiten stumpf geschrieben. Nach dem Motto: habt ihr euch doch eh gedacht, warum das künstlich in die Länge ziehen. Das fand ich schade. Hätte man ein bisschen besser gestalten können.

FAZIT ist, dass mir das Buch zwar grundsätzlich von der Sprache her gut gefallen hat und ich sehr schnell durch war, allerdings war das die Handlung auch. Zu wenig Inhalt, so kam es mir jedenfalls vor – trotzt interessanter Protagonistin. Außerdem war der Ausgang recht schnell klar, was gerade zum Ende hin den Lesespaß gedämpft hat. Mich konnte Cry Baby nicht so überzeugen, obwohl es nicht schlecht war. Aber als Thriller eher schwach.
Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

 

© D. B. Granzow