August 2015 (1) Die Königin der Schatten – E. Johansen

Broschiert: 544 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungstag: 15. Juni 2015
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3453315860 (Deutsche Erstausgabe)
Originaltitel: The Queen of Tearling Book 1
Genre: Fantasy (mit dystopischer Note)

© Alle Rechte am Coverbild liegen beim Verlag/Autor.

 

Klappentext:

Der Thron wartet auf seine Königin. Falls sie lange genug lebt, um ihn zu Besteigen …

Das Königreich Tearling ist ein armes Land – zerrüttet von Machtgier, Korruption und Intrigen. Um der Invasion durch seinen mächtigen Nachbarn Mortmesne zu entgehen, schloss Tearling einst einen so verhängnisvollen wie grausamen Pakt – einen Pakt, den niemand infrage stellte, bis die junge Prinzessin Kelsea Glynn an die Macht kommt: Sie ist entschlossen, das Unrecht in ihrem Land zu beenden. Doch wenn sie am Hof überleben will, darf sie sich keinen einzigen Fehler erlauben.

Neunzehn Jahre lang führte die junge Prinzessin Kelsea Glynn ein abgeschiedenes Leben in der Obhut ihrer Pflegeeltern. Nun ist der Tag gekommen, an dem sie von der Leibwache ihrer verstorbenen Mutter an den Königshof zurückeskortiert wird, um die Herrschaft über das magische Königreich Tearling anzutreten. Doch Tearling ist ein armes Land, ständig bedroht von seinem mächtigen Nachbarn Mortmesne. Um ihre Herrschaft zu sichern, schloss Kelseas Mutter einst einen verhängnisvollen Pakt. Einen Pakt, dessen Konsequenzen Kelsea nun zu spüren bekommt, denn es trachtet ihr nicht nur die Rote Königin von Mortmesne nach dem Leben, auch ihr Hofstaat, schlimmer noch, ihr eigenes Volk misstraut ihr. Nur wenn sie einen Weg zu ihrem magischen Erbe findet, kann Kelsea ihre Untertanen vor Mortmesne schützen. Falls sie lange genug auf dem Thron sitzt. Falls sie lange genug überlebt . . .

Meinung zum Buch:

Durch diverse Buchblogger bin ich auf das Buch aufmerksam geworden. Zwar fließen diese beiden Aspekte nicht in die eigentliche Bewertung des Buchs mit ein, aber mir gefiel besonders die düstere Farbgestaltung des Covers, die unglaublich gut zum Inhalt passt, während der Titel mir ein wenig schleierhaft blieb (zumindest der Teil mit den Schatten… habe ich da was verpasst?). Nicht gefallen haben mir die Schnörkel, die den Titel umranken.

Die Geschichte setzt an dem Morgen von Kelseas Eskortierung nach Neulondon an, wo sie den Thron besteigen soll und sich plötzlich mit Menschen und Problemen konfrontiert sieht, die sie im Cottage, wo sie bei ihren Pflegeeltern Barty und Carlin aufwuchs, nie begegnete. Von da an begleitet der Leser ihren Aufstieg zur Wahrhaften Königin.
Ich mochte Kelsea wirklich gerne, da sie sehr facettenreich ist. Sie ist optisch so gar nicht, wie man sich eine Prinzessin vorstellt – pummelig und eher unscheinbar – und genügt auch nicht den höfischen Gepflogenheiten. Sie ist eher burschikos und versucht vor den Männern ihrer Garde und darüber hinaus Stärke und wahren Mut zu beweisen. Mit ihren neunzehn Jahren wirkt sie manchmal etwas unreif, um dann ein anderes Mal mit ihren gelehrten Worten deutlich reifer zu wirken. Das hat mir unglaublich gut gefallen. Vor allem die Idee mit der Belesenheit. Wirklich unbeschreiblich schöne Momente, die uns Erika Johansen mit ihrer Protagonistin da in der Bibliothek beschert hat. Eine winzige Schwachstelle hatte ihr Charakter jedoch – ihr mageres Selbstwertgefühl. Sie fühlt sich ständig hässlich und vergleicht sich mit den schöneren, schlankeren Zofen oder Adligen, was mich schon ein ums andere Mal gestört hat. Aber sie ist äußerlich eben so BESONDERS untypisch für eine Königin, dass ich es irgendwie auch reizvoll fand. In diesem Punkt schien sie eine leichte Zerrissenheit zu haben, mit der sie nicht als Einzige in dem Buch zu kämpfen hat. Aber von solchen Dingen lebten die Charaktere, die allesamt sehr gut ausgearbeitet und mehr oder weniger sympathisch waren. Kein Mensch hat nur die eine Seite. Sehr gut!

Die Handlung ist sehr bildlich geschildert und gut dosiert mit Details gespickt, wodurch eine Vorstellung von dem Setting des Buchs, den einzelnen Orten und der Menschen nicht schwerfiel. Allgemein war der Schreibstil sehr angenehm. Er war nicht zu simple, aber keinesfalls zu komplex, unglaublich flüssig und anschaulich. Hat mir sehr gut gefallen, wodurch sich die Handlung natürlich ungemein bequem verfolgen ließ und mitreißen konnte. Die Handlung hat mich auch weitestgehend überzeugt und mit seichten so wie action- und spannungsgeladenen Momenten gepunktet. Wobei ein paar mehr Spannungsmomente hie und da sicherlich möglich gewesen wären. Neben Kelsea begleitet der Leser noch den Torwächter Javel, die Rote Königin aus Mortmesne, Pater Tyler sowie den Regenten Thomas Raleigh. Die Übergänge dazwischen sind fließend und greifen ineinander über, was dem Ganzen eine lebhaftere, dynamischere und interessantere Note verleiht hat. Am Ende bleiben zwei wichtige Fragen offen, von der eine bereits im ersten Einleitungszitat angedeutet wird und die andere den mysteriösen Vater der Diebe betrifft, der Fetch, der es irgendwie schafft ein Stückweit Kelseas Herz zu stehlen.

Das Genre: Der Aspekt der Magie nimmt erst zum Ende des Buches deutlich zu, weswegen sich der Großteil für mich eher wie eine Dystopie weniger wie Fantasy gelesen hat, was mich jetzt nicht gestört hat.

Mein absolutes Highlight waren die Einleitungszitate aus den fiktiven Geschichtsbüchern o.ä. aus und/oder über Tearling. Inhaltlich wie sprachlich konnten sie mich überzeugen und auf eine sehr subtile Weise auf das Bevorstehende hinweisen, ohne zu viel vorweg zu nehmen. Clever gemacht!

Eine letzte Kritik bleibt leider nicht aus: Der Weltenentwurf, der mich im Buch leicht zum Schmunzeln gebracht hat, ohne dies zu beabsichtigen. Da waren für mich ein paar Ideen dabei, die meinem Geschmack nach ein wenig besser hätten durchdacht werden können, ohne der Autorin zu nahe treten zu wollen. Sie hat ansonsten nämlich einen so guten Job geleistet, der dadurch leider einen klitzekleinen Zacken aus der Krone gebrochen hat. Die Sache mit der Überfahrt … hmmm. Das weiße Schiff – OK?! Die Rohstoffvorkommen, die mir irgendwie lückenhaft vorkamen… Den Bezug zur Gegenwartsliteratur (Hobbit und Harry Potter) fand ich sehr witzig, wenngleich etwas irritierend. Die Rückläufigkeit der Gesellschaft durch den Verlust von Technik und Medizin finde ich plausibel, aber nicht in diesem Maße. Die Menschen verdummen doch nicht so sehr, dass sie sich im epochengetreuen Mittelalter wiederfinden. Analphabetismus und Monarchie in Ordnung, aber dieses ganze klerikale, christliche Kirchengeplänkel war mir doch zu unrealistisch.

FAZIT ist, dass sich das Lesen auf jeden Fall gelohnt hat und ich sowohl die Handlung als auch die Charaktere als sehr glaubwürdig und spannend empfunden habe, sodass ich mich schon jetzt auf die Fortsetzung freue. Ich muss gestehen, dass ich ein „GoT“-Gefühl beim Lesen entwickelt habe, da mich die Geschichte ein wenig an Daenerys Targaryens Aufstieg erinnerte, was ich nicht genauer erklären kann. Wirklich ein sehr schönes Buch, das die volle Punktzahl um Haaresbreite verfehlt hat, wäre der Weltenentwurf doch ein wenig anders ausgefallen. Auf jeden Fall für Fantasy/Dystopie-Fans eine klare Leseempfehlung!
Sehr gute 4 von 5 möglichen Sternen!

 

© D. B. Granzow

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