Jeder Büchersnacker ist Kalorienzähler – Wir wollen wissen, was Wir essen!

Seien Wir doch mal ganz ehrlich! Unter Uns gesprochen, schaust Du auf die Nährwerttabelle, wenn Du etwas in den Einkaufswagen schmeißt? Interessiert es dich wirklich, wie viel Zucker und Fett in den Snacks sind, die Du so gerne isst?

War deine Antwort auf die erste Frage Nein oder Ja? – Ich muss gestehen, mir ist das eigentlich im ersten Moment vollkommen egal. Ich kaufe gerne das, was Ich mag und worauf Ich Lust habe. Das schlechte Gewissen kommt dann (wenn überhaupt) nach dem Essen.

Anders als bei Lebensmitteln gucke Ich – und vermutlich Du genauso – ganz genau hin, wenn es sich um den Klappentext eines Buches handelt. Wie die Nährwerttabelle auf den Essenssachen, weist der Klappentext eines Buches auf das hin, was hinter der Verpackung steckt. Was man erwarten darf.

Was die Nährwerttabelle dem Snack, ist der Klappentext dem Buch.

Nachdem Du und Ich den Inhalt abgeschlossen und dem Baby einen Namen verpasst haben, müssen wir im nächsten Schritt für das Neugeborene einen Steckbrief anfertigen. Auch wenn Du als Autor wesentlich mehr weißt, als die zukünftigen Leser, solltest Du dich im Steckbrief (dem Klappentext) auf die groben Angaben konzentrieren, ohne zu viel Spannung vorwegzunehmen oder – ganz schlimm – zu spoilern. Aber wie stellt man das geschickt an?

Ich persönlich finde es immer wieder spannend mich durch neue Klappentexte zu lesen. Wie viel wird mir der Autor verraten und was lösen seine ersten Worte bei mir aus? Findet man ein Zitat aus dem Buch oder gleich mehrere vor oder doch eher eine schlichte, kurze Inhaltsangabe? Furchtbar finde ich (das muss ich jetzt einfach an dieser Stelle loswerden) wenn ein Zitat von renommierten Genre-Autoren oder Zeitschriften/Zeitungen auf den anderen folgt, die allesamt das Buch mit Lobpreisungen überschütten. Ich habe mich bei Letzterem häufig dabei erwischt, dass ich es erst einmal wieder beiseite gelegt habe, da das für mich nichts anderes als eine versuchte Manipulation der Leser ist. Eine Werbemaßnahme, um die möglichst breite Masse anzulocken und zu blenden. Dennoch findet man diese Zitate immer wieder unter dem Klappentext eines Buches – was ja grundsätzlich auch vollkommen legitim ist (wenn das Buch dann auch tatsächlich gelesen wurde … was Ich ein ums andere Mal stark bezweifle).

Für mich als Selbstverleger stellt das Verfassen eines Klappentextes eine unliebsame und ebenso mühsame Arbeit da, da man selbst so sehr im Inhalt verankert ist, dass einem der nüchterne Blick dafür einfach zu fehlen scheint. Generell ist auch hier der Fantasie keine Grenze gesetzt.

Was aber möchte Ich im Klappentext vorfinden?

Puh… that’s a tricky one. Sicherlich sollte das, was Ich auf dem Buchrücken lese, in erster Linie auf die Haupthandlung, dem eigentlichen Plot anspielen. Ich möchte einen schnellen, knackigen und groben Eindruck von dem bekommen, was mich erwartet. Das Genre sollte sich mir nach dem Lesen irgendwie erschließen – oder zumindest eingrenzen lassen –, denn Ich möchte ja meinen Hunger stillen und der fällt nun wirklich nicht immer gleich aus. Ist mir heute nach was Süßem oder Deftigem? – Außerdem sollten die Angaben in mir unbedingt die Neugier wecken, denn ansonsten brauche Ich mich ja gar nicht darauf einzulassen.

Ich vergleiche das ganz unverfroren mit dem Zwischenmenschlichen, wenn Wir hier schon von einer Art Steckbrief sprechen. Welche Angaben sind mir am wichtigsten, welche eher nebensächlich?

Ein Steckbrief, auf dem Hobbys aufgeführt werden, in denen ich meine Interessen widererkenne, wird sicherlich den Reiz auslösen, mich mit dieser Person näher zu beschäftigen, während andere, denen ich grundsätzlich nicht sonderlich zugetan bin, auf der Strecke bleiben werden. Klingt hart, aber so spielt das Leben. Manchmal muss man eine Wahl treffen. Hör auf dein Bauchgefühl.

Aber was, wenn es ganz anders kommt?

Du kennst es vielleicht selbst. Ein Klappentext hat dich davon überzeugt, dass dieses Buch, welches Du in deinen Händen hieltest, das richtige sei und dann stellte sich heraus, dass der Klappentext nicht viel mit dem eigentlichen Inhalt gemein hat? Als wären es zwei verschiedene? – Boah, wie Ich mich dann ärgere!! Das „Boah“ ist nicht gerade seriös, das weiß ich, aber ist es seriös einen Klappentext zu schreiben, der nach einer vollkommen anderen Geschichte klingt? Ich denke nicht.

Der Klappentext ist doch eine Art Versprechen des Autors! Der Leser verlässt sich darauf, dass er sein Wort hält. Wir haben also Erwartungen!

Natürlich ist es unmöglich durch den Klappentext eine Erwartung zu haben, die zu Hundert Prozent erfüllt wird. Das geht gar nicht. Aber wenn der Klappentext Spannung verspricht, kann man mir keinen Inhalt vorlegen, der zu 80% aus Romantik, zu 5% aus Fantasie und nur zu mageren 15% aus Spannung besteht. Wenn der Großteil des Inhalts eine Liebesgeschichte beleuchtet, erwarte Ich als Leser zumindest eine Erwähnung oder Anspielung einer möglichen Romanze. Wir lassen uns ja auch nicht aufgrund eines Steckbriefs, der uns Mrs./Mr. Perfect verspricht, auf ein Date ein, um dann Mrs./Mr. Not-Perfect-At-All gegenüberzusitzen. Wir kaufen auch keine Chips, um Schokolade zu bekommen. Wenn wir statt Mrs./Mr. Perfect Mrs./Mr. For-Someone-Perfect antreffen oder statt Chips Flips oder Nüsse vorgesetzt bekommen, dann kann man da vielleicht noch drüber hinwegsehen. Aber es sollte doch zumindest im Ansatz die Erwartung erfüllen. So viel dazu.

Somit kommen wir zu der nunmehr siebten Lektion: Gib dem Leser ein Versprechen, das Du fairerweise halten kannst!

Natürlich können Worte auch zu hohe Erwartungen beim Rezipienten erwecken, die einfach den Rahmen sprengen und utopisch anmaßen, was dann nicht der Fehler des Autors sondern leider der des Rezipienten ist. Wer bei einem Date die Aussage „Ich möchte mir eine Zukunft aufbauen!“ direkt als „Ich möchte heiraten und eine Familie gründen!“ versteht, braucht sich nicht wundern, wenn das nicht gemeint war, sondern ein guter Job oder ein eigenes Haus. Verspricht uns die Nährwerttabelle keinen Zucker, erwarten Wir auch keinen. Wir wollen wissen, was Wir zu uns nehmen und selbst entscheiden, ob Wir uns die Kalorien verkneifen und leichte Kost zu uns nehmen oder ob Wir uns die Kalorienbombe gönnen und königlich speisen.

In diesem hungrigen Sinne: Büchersnack schnappen und loslegen!

Ob das schlechte Gewissen kommt, werdet ihr sehen, wenn ihr aufgegessen habt. 😉

Munteres Schaffen,

D. B. Granzow

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