Der Buchtitel: Verrat mir deinen Namen und Ich sag dir, wie Du tickst!

Fast alles im Leben hat einen Namen. Wir werfen tagtäglich mit Begriffen um uns, die in unseren Kulturkreisen eine bestimmte Bedeutung haben. Ich möchte jetzt keineswegs in die Philosophie einsteigen und die Frage lösen, warum Stuhl so heißt, wie er heißt. Das ist einfach so, weil sich die Menschen vor Jahrhunderten darauf geeinigt haben. Punkt. Viel interessanter ist doch aber die Namensverteilung für Neuartiges. Wenn etwas erfunden wird, braucht man einen Namen. Warum? Damit Du und Ich über dieselbe Sache sprechen können, ohne sie genauer zu beschreiben und dennoch nicht aneinander vorbeizureden. As simple as that!

Interessant werden Namen vor allem dann, wenn sie Assoziationen auslösen sollen. Heißt: Wenn der Name mehr als bloß eine schnöde Bezeichnung ist.

Wir alle kennen das von uns Menschen. Unsere Eltern geben uns einen Namen, den sie für passend erachten. Dabei gehen sie unterschiedlich vor. Entweder sie legen bereits vor der Geburt einen Namen für beide Geschlechter fest oder aber sie wählen erst einen aus, wenn sie das Neugeborene in den Armen halten, es betüddeln und vor sich sehen. Dann kann aus einer möglichen Emma oder Lisa ganz schnell eine Anna werden. Ein Lukas wird plötzlich David, weil das Kind mit dieser Knautschnase auf gar keinen Fall dem Namen gerecht würde. Obwohl es ganz willkürlich klingen mag, so vergeben wir keinen Namen völlig unvoreingenommen. Man verbindet mit Namen immer etwas. So auch, wenn es um die Wahl eines Babynamens geht. Man begegnet Menschen im Leben, die man nicht ausstehen kann. Deren Namen werden wohl kaum in der Lostrommel landen. Sicherlich spielt auch der vermeintliche Zusammenhang zwischen Name und Persönlichkeit eine weitere Rolle. Selbst das ist geprägt von Erfahrungen. Eine Chantal wird nur unwahrscheinlich einen Nobelpreis erhalten, ohne jemand mit diesem Namen etwas Böses zu wollen. Ein Malcolm hingegen schon eher. Die Chance als Margarethe mit 30 Jahren noch Jungfrau zu sein, scheint höher, als die einer Megan. Kai-Uwe wird es mit seinem Namen als Sechsjähriger in diesem Jahrhundert schwieriger haben als ein Jan. Das zumindest glauben wir, wenn wir verschiedene Namen hören – und tun damit Menschen mit diesen Namen sicherlich Unrecht. Natürlich hängt das von den Kulturen und den Personen ab. Ich möchte die genannten Namen auch gar nicht schlecht machen, sondern durch sie deutlicher machen, dass die Namenswahl zwangsläufig mehr ist als nur eine Entscheidung. Sie bedarf mehr Erwägungen.

Was zum Kuckuck hat das jetzt mit Büchern zu tun?

Ein Buch ist von diesen Prozessen nicht ausgenommen. Der Buchtitel ist der Name einer Geschichte, den es mit Sorgfalt zu wählen gilt. Ich persönlich habe damit ein paar Schwierigkeiten. Als Autor hat man womöglich ganz andere Vorstellungen von Titeln wie die Rezipienten. Natürlich mag jeder Mensch unterschiedliche Formen der Titel, was das Ganze ohnehin unüberschaubar macht. Da gibt es keinen Geheimcode oder irgendeine Geheimformel für den perfekten Titel. Leider nicht!

Wenn Du oder Ich durch eine Buchhandlung schlendern oder Plattformen nach Büchern durchstöbern, fallen einem die unterschiedlichsten Titelarten auf. Hier eine Liste von Titelarten, die man entdecken kann:

Typisch Deutsch – Der Subtitelzusatz

Ja, wir Deutschen und unsere tollen Subtitel. Mich persönlich stört diese Art ungemein. Das erinnert an einen TV-Film auf Sat1. Furchtbar, kann Ich dazu nur sagen! Da krieg Ich zu viel. Auffällig hierbei: Der Haupttitel wurde entweder von der fremdsprachigen Originalvorlage übernommen oder der Autor hat einen fremdsprachigen Titel gewählt (weil es auf eine seltsame Art und Weise – Ich glaube, man nennt es Manipulation – einfach besser klingt). Wenn es doch besser klingt, dann behaltet den Titel doch bitte bei, ohne einen deutschen Zusatz. Der hat sicherlich den Grund, dass die Menschen, die die jeweilige Fremdsprache nicht beherrschen, dennoch etwas Handfestes bekommen. Was durchaus berechtigt und löblich ist. Mich persönlich stört dieser Zusatz. Wenn Ich eine Erklärung brauche, lese Ich den Klappentext.

Bsp.: „Girl on the Train – Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich” v. Paula Hawkins, „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ v. Gillian Flynn

Ersichtliche Zusammenhänge – Der Reihentitel

Ein mehrteiliges Projekt besteht in der Regel auch aus mehreren Büchern, wie das Adjektiv vermuten lässt. Damit dem Leser die Zusammenhänge deutlich werden, beziehen sich Buchreihen, -Serien, -Sagen, -Trilogien häufig durch bestimmte Titelbausteine auf das Ausgangswerk, spricht das erste Buch. Häufig sind die Fortsetzungen und Folgebücher unter einem eigenständigen Namen zu finden, manchen jedoch wird ein Zusatz vorausgestellt. Dass es auch Buchserien gibt, bei denen der Zusammenhang nicht ganz so eindeutig ist, liegt nahe. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Hier finde Ich, hat dieser Zusatz (im Gegensatz zum Subtitel beim vorherigen Beispiel) einen Sinn.

Bsp.: “HARRY POTTER und der Stein der Weisen”-„HARRY POTTER und XYZ“ v. J. K. Rowling, „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“ – „Die Tribute von Panem – XYZ“ v. Suzanne Collins

Minimalistisch – Die Ein-Wort-Titel

Der klassische Buchtitel würde Ich fast behaupten. Er ist recht simple, aber hat häufig einen starken Inhaltsbezug. Eine Art heruntergebrochener Inhalt oder ein wichtiges Motivelement, das im Buch auftaucht. Ob es nun ein einziges Wort ist oder eine Handvoll Wörter, der minimalistische Titel ist selten länger als fünf Wörter. Ich zähle sogar eher nur die Ein-bis-Drei-Wörter-Titel hinzu. Der Autor beschränkt sich hierbei auf das, für ihn und seine Geschichte, Wichtigste.

Bsp.: „Todesfrist“ v. Andreas Gruber, (liegt es an mir oder bedienen sich Autoren von Thrillern gerne an Ein-Wort-Titeln?), „Der leere Thron“ v. Bernard Cornwell

Mehr ist mehr – Die Satztitel

Manchmal ist es eben sehr schwer einen kurzen und knackigen Titel zu finden. Also nimmt man viele Wörter oder einen ganzen Satz. Damit kann man dem Leser zusätzliche Informationen geben, die der Klappentext nicht hergibt, aber die man noch unbedingt loswerden möchte. Insgesamt ist diese Titelart eher befremdlich, was die Neugier potenzieller Leser sicherlich wecken dürfte.

Bsp.: „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ v. Lauren Oliver, „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ v. Jona Jonasson.

Diese kleine Liste soll nur die Vielfältigkeit der Buchtitel verdeutlichen. Die genannten Beispiele sind allesamt nicht meine Ideen, sondern tatsächliche Bücher, die Ich durch stumpfes Suchen gefunden habe. Dabei handelt es sich nicht zwangsläufig um Leseempfehlungen, sondern sie dienen lediglich der Anschaulichkeit.

Welcher Art ist nun am besten für mein Projekt?

Das liegt voll und ganz daran, welche Präferenz Du hast. Wie immer sollte der Titel vor allem zum Inhalt der Geschichte und der ganzen Natur des Projekts sowie dem Genre passen. Durch die Wahl eines Titels kannst Du bestimmen, wie dein Werk auf den ersten Blick wirken soll. Wörter wie Tod, Rache oder Blut empfindet man eher als negativ. In unserem Gehirn entstehen unmittelbar Impulse, die unschöne Bilder hervorrufen. Man rechnet also eher mit einem Thriller oder Krimi o.ä., während andere Wörter gegenteilige Bilder auslösen, die wir eher in die Schiene Humor oder Romantik einordnen. Somit kann man die Erwartungen der Leser sowie ihre Aufmerksamkeit bereits mit gezielter Wortwahl entsprechend beeinflussen und wecken. Hierbei ist an sich egal, wie lang oder kurz der Titel ausfällt. Er sollte jedoch irgendeinen Bezug zum Inhalt herstellen und nicht ganz aus der Luft gegriffen sein. Geht auch, aber schöner ist es doch, wenn das gesamte Werk von Titel über Cover bis hin zum Klappentext rund erscheint.

Muss der Titel im Buch vorkommen?

Ganz klar, nein! Müssen ist ohnehin ein viel zu starkes Verb. Gerade im kreativen Bereich wie dem Schreiben ist eine Vorschrift selten die beste Methode, um ans Ziel zu kommen. Hier ist viel Gespür für sein Schaffen und Intuition gefragt. Ob der Buchtitel nun gefällt oder nicht, wird sich zeigen, wenn es an der Zeit dafür ist. Vorhersehbar ist das generell nicht.

Letztendlich entscheiden Autoren ohnehin nur über den vorläufigen Titel, wenn sie eine Zusammenarbeit mit Verlagen anstreben. Denn dieser wird zweifellos noch ein Wörtchen mitreden wollen, wenn es zur Namensgebung kommt. Im besten Fall einigt man sich auf eine Lösung, mit der beide Parteien zufrieden sind. Um in meinem Eingangsbeispiel zu bleiben, sollten Vater und Mutter doch immerhin einig sein, wie ihr Baby heißen soll. Oder etwa nicht?

Man muss sich darüber bewusst sein, dass der Buchtitel wie eine Begrüßung ist. Mal kann man etwas schnell zuordnen und aus der Begrüßung erste Schlüsse ziehen, mal bleibt einem schleierhaft, was sich hinter dem Namen verbirgt. Manchmal mag man den Namen auf Anhieb und möchte mehr erfahren, während ein anderes Mal kein unmittelbares Interesse geweckt wird.

Entweder es kommt mir nur so vor oder die Buchtitel mancher Autoren werden inzwischen immer ausgefallener. Mir fällt da beispielsweise Jonas Jonassons „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ ein. Ein sehr gelungener Titel, der anfänglich mehr als eigensinnig erscheint und doch sehr gut zum Buch passt. Da wird der ein oder andere sicher direkt vom Titel zum Lesen angeregt worden sein. Just saying!

 

Du und Ich haben unsere nächste Lektion gelernt: Der Buchtitel ist mehr als der Name deines „Babys“; er ist sein erstes Wort, an das man sich immer erinnern wird.

 

Der Buchtitel ist somit eine sehr knifflige Angelegenheit. Manchmal kann die Suche nach einem geeigneten Namen einfach nur zum Brüllen sein und Spaß machen, während es manchmal die reinste Qual ist. Doch hier darf man seine Kreativität noch einmal gekonnt in Szene setzen, was niemals zu unterschätzen ist.

In diesem Artikel ist mir beim besten Willen leider keine Snackmetapher eingefallen, außer die, dass man ja nichts essen möchte, das schon einen schlechten Namen hat, oder? (Armselig, ich weiß.)

In diesem absolut unkreativen Sinne, wünsche Ich jedem Schreiberling viel Spaß und Vergnügen bei seiner Titelsuche und allen Leseeulen dasselbe mit den Buchtiteln, die da draußen auf euch warten!

 

Nicht den Büchersnack vergessen,

 

D. B. Granzow

 

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