Ende gut, alles gut?

„Ooooohhh…“, „Häääääh?“, „Aahhaa!“ oder „Waaaas?!“ – egal welchen Laut man von sich gibt, am Ende eines Buches findet jeder Leser eine angemessene Reaktion auf seinen Leseeindruck. Alles findet irgendwann sein Ende. So auch das Buch. Nachdem Du und Ich bereits den Anfang und den Hauptteil in Augenschein genommen haben, konzentriere Ich mich in diesem Beitrag auf das Ende eines Projekts.

Egal ob ein Buch nun 100 oder 800 Seiten hat, ob es gefällt oder nicht, das Ende ist ein ebenso wichtiger (wenn nicht sogar ein entscheidend wichtigerer) Bestandteil eines jeden Werks. Während der Anfang über einen möglichen Kauf entscheidet und der Inhalt (Hauptteil) darüber, wie weit der Leser letztendlich die Geschichte verfolgen wird, so beeinflusst das Buchende die Reaktionen. Es ist der letzte Eindruck, den ein Buch bei seinen Rezipienten hinterlässt. Mit einem letzten Punkt – gesetzt vom Autor – kann ein gelungenes Buch verhunzt oder ein eher schwaches gerettet werden. Natürlich bestimmt darüber weder das Ende selbst noch der Autor – allein der Leser entscheidet, wie er das Ende beurteilen wird. Letztendlich kann man es ohnehin nicht jedem recht machen.

„Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ – tatsächlich nur die Wurst?

Eines steht fest: als Autor kann man ein Projekt auf unterschiedliche Art und Weise enden lassen. Da gibt es natürlich das allseits beliebte Happy-End, den verfluchten Cliffhanger, das zu erwartende und das überraschende Ende, der abrupte Schluss oder eben ein seichter. Sicherlich fände man hier noch einige weitere Bezeichnungen aus dem Fachjargon oder den eigenen Leseerfahrungen. Worauf Ich hierbei hinaus will, ist die vielseitige Auslegung eines Buchschlusses. Häufig findet man in Mehrteilern einen Aufhänger (Cliffhanger), der möglichst spannend ist und somit ein offenes Ende hat, um die Leser vom Kauf der Fortsetzung(en) zu überzeugen – oder zumindest zum Weiterlesen anzuregen. (Lassen wir den hier anklingenden Aspekt des Verdienst-Boosters mal bewusst unter die Laptoptastatur fallen, da es einfach schlichtweg falsch wäre, Autoren von Buchreihen dies zu unterstellen. Ich selbst befürworte Fortsetzungen, wenn diese gut durchdacht und stimmig sind und es genug Inhalt gibt, um die Geschichte über mehrere Bände hinaus fesselnd niederzuschreiben. Nur eine kleine Nebenbemerkung.)
Natürlich gibt es bei eigenständigen Werken auch die Möglichkeit, diese offen enden zu lassen. Allerdings sollte die Geschichte dies hergeben. Nichts ist schlimmer, als wenn ein Projekt nicht rund ist. Das heißt nicht, dass jede ausstehende Frage bis ins kleinste Detail aufgelöst werden muss. Solange die Geschichte in sich schlüssig ist, kann das Ende in jeglicher Form ausfallen. Sicher wird es auch hier Stimmen und Meinungen geben, die dem widersprechen würden. Doch wäre die Bücherlandschaft nicht traurig, wenn jedes Buch ein Happy-End hätte? Wenn in jedem Thriller der Fall ohne ausstehende Fragen bis ins Detail geklärt und der Täter gefangengenommen würde? Wenn jedes Krebsdrama mit dem Tod ende oder jede Liebesgeschichte mit dem perfekten Familienbild? Will man das wirklich? – NEIN! Definitiv nicht. Man selbst möchte als Leser doch vom Buch überrascht werden und eignet sich das Ende hierfür nicht am besten?
Um die Frage jedoch zu beantworten, ob nur die Wurst zwei Enden hat, tendiere Ich dazu diese mit Ja zu beantworten. Ein Buch hat normalerweise bloß das eine Ende. Sicherlich schreiben Fans und manch ein Autor Alternativenden für ihre enttäuschenden, doch schlussendlich schließt ein Buch mit einer letzten Seite, einem letzten Wort und einem letzten Punkt (oder ein beliebiges anderes Satzzeichen). Ob es uns passt oder nicht. So ist das eben so manches Mal im Leben.

Was bedeutet das Ende eines Buches aber für den Autor?

Nun ja, auch diese Frage ist keine leichte und sicherlich mit verschiedenen Antworten besetzt. Manch einer hat das Ende bereits im Kopf und schreibt auf dieses Szenario hin. Andere wiederum lassen sich selbst überraschen und schließen ihre Geschichte, wie sie ihnen am sinnvollsten erscheint. Sicherlich findet man in der Riege der Schriftsteller auch diejenigen, die ein Ende schreiben, es verwerfen, neu ansetzen, wieder die Löschtaste (unser Autoren aller Lieblingstaste beim Schreiben – nicht) benutzen und nach dem gefühlten 100. Mal endlich zum Schluss kommen. Dass dieses Ende dann auch tatsächlich das bestmöglichste ist, sei mal hingestellt. Manchmal muss selbst ein Autor sich mit einem Schlussteil zufrieden geben, auch wenn er sich noch erst damit anfreunden muss. Da kann sich der Autor um Kopf und Kragen tippen und die Dinge wenden und drehen, wie er möchte, und doch wollen seine Ideen und Vorstellungen einfach nicht passen. Eine traurige Wahrheit ist nämlich, dass nicht jedes Buch mit dem gewünschten Ende im Einklang steht. Ist das der Fall, musst Du als Autor entscheiden, ob die möglichen Unstimmigkeiten in Kauf genommen werden können oder ob es für deine Geschichte nicht doch besser ist, ein Ende zu finden, mit dem das Erzählte problemlos übereinstimmt und sich der Kreis passgenau schließen lässt.
Natürlich sollte man bei dieser entscheidenden letzten Frage auch immer den Blickwinkel eines Lesers einnehmen. Zwar lautet unsere erste Lektion „Stehe zu deiner Arbeit und liebe, was Du tust“, doch stellen die Leser und damit unweigerlich die Kritiker einen wesentlichen Teil deiner Arbeit dar, wenn Du deine Projekte veröffentlichen möchtest und – wie ich – irgendwann einmal in ferner Zukunft von den Einnahmen deiner Bücher (o.ä.) leben möchtest. Das soll nun keineswegs heißen, dass Du für die Leser schreiben sollst, sondern diese lediglich in deinem Schaffen niemals aus den Augenwinkeln verlieren solltest. So mögen sie vielleicht dein gewähltes Ende nicht gutheißen oder sogar blöd finden, doch sofern Du deine Geschichte damit plausible schließt, können sie meckern, wie sie wollen, die Geschichte bleibt dennoch so wie sie ist. Da sollte auch ein „ungeschicktes“ Ende keinen Abbruch tun.
Manchmal ist es also besser, in den sauren Apfel zu beißen und Kompromisse in Hinblick auf die zukünftigen Leser zu finden. Besonders wenn unter deinem Wunschbuchende die Logik der gesamten Geschichte leiden würde oder aber das mögliche Wunschbuchende der Leser dem runden Ende deines Projekts im Wege steht, solltest Du als Autor abwiegen, wie viel wo von du nennen möchtest und in welchem Maß, in welcher Weise Du deine Geschichte auf den (letzten) Punkt bringst.

Du möchtest deine Leser im letzten Moment schocken oder ihnen doch noch ein letztes Lächeln entlocken? Passt es in die Abhandlung, zu den Charakteren und dem Inhalt, dann rein in die Tasten. Ist es jedoch nicht der Fall, nimm dir lieber die Zeit, um ein rundes Ende zu schreiben.

Lektion 5 lautet somit ganz plump: Wähle das Ende deines Projekts mit Bedacht.

Mehr kann ich zu diesem Thema leider nicht aus meinen Fingerkuppen ziehen. Das Ende ist meiner Meinung nach mit Abstand das pikanteste Thema im Schreibprozess. Um in den letzten Zeilen doch noch eine kleine Büchersnackmetapher einzubauen, denke ich gerade an ein Soufflé. Das Soufflé ist in dieser Metaphorik das Buch. Manchmal bedarf es einfach ein wenig Übung, um ein Handwerk zu verstehen. Hast Du auch jede Zutat noch so gewissenhaft nach Rezept gewählt, kann das Soufflé so lange stehen, bis Du es aus dem Ofen nimmst. Mit viel Glück (oder einem guten Händchen) geht es luftig auf; mit etwas Pech fällt es in sich zusammen. Manche Dinge sind leider eine Kunst für sich. Mit dem Ende eines Buches verhält es sich ganz ähnlich. Der eine mag es, der andere eben nicht. Die wenigsten Bücher und Autoren können ihre Leser zu 100 % zufriedenstellen. Der Mensch ist und bleibt aus tiefster Seele ein Kritiker. Positiv wie negativ.

Das Verhältnis Autor – Leser werden Du und Ich noch in Zukunft häufiger beleuchten, denn das interessante an der Schriftstellerei ist doch, dass es ohne Leser zwar die Geschichten gibt, doch ohne Autoren, gäbe es keine Bücher, die die Leser verschlingen dürfen.

Ganz im Sinne des Beitragsthemas komme ich hiermit auch zum Ende. Kurz und schmerzlos.

 

 

Wie immer fleißiges Schaffen, einen gekonnten Projektabschluss und nie den Biss in den Büchersnack vergessen!

 

 

D. B. Granzow

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