Aller Anfang ist schwer

Unsere Wunschvorstellung ist, wir schreiben einen Roman, senden das Manuskript Verlagen zu und kurz darauf flattert eine Zusage ins Haus. „Wir freuen uns Ihnen mitzuteilen, dass unser Lektorat Ihren eingesendeten Manuskriptvorschlag akzeptiert und Wir Interesse an einer Zusammenarbeit zeigen.“
So in etwa wäre der Idealfall.
Die Realität sieht anders aus.
Sicher hast Du schon häufig den Spruch gehört: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“ Ein Bestseller ebenso wenig. Natürlich gibt es den einen oder anderen Autor, der mit seinem ersten Roman gleich einen Volltreffer landet. Dafür findet man in der Bücherlandschaft einige Beweise. Es gibt auch Beweise dafür, dass Menschen vom Blitz getroffen werden oder Leute im Lotto Millionen gewinnen. Aber das ist nur ein winzig kleiner Bruchteil derer, die tatsächlich Lotto spielen oder im Gewitter fröhlich mit dem Regenschirm über ein flaches Feld spazieren gehen.
Der Unterschied zwischen den beiden genannten Beispielen und dem Buchvertrag besteht jedoch darin, dass die Chancen für den Vertrag wesentlich höher sind. Die Gründe dafür decke Ich noch in den nächsten Wochen und Monaten auf.

Jeder Anfang ist schwer.

Dieser Satz ist in vielerlei Hinsicht treffend, wenn Wir uns mit Büchern beschäftigen. Viele Romananfänge sind für den Leser schwer zu lesen (manchmal auch zu ertragen). Das erste Buch ist schwer in einem Verlag unterzubringen. Die ersten Negativkritiken liegen schwer im Magen. Aber auch der Einstieg in ein bevorstehendes Projekt kann sich als äußerst schwer erweisen.

Weshalb ist es schwer einen geeigneten Anfang zu finden?

Natürlich ist jeder Autor in seiner Arbeitsweise anders. Was für den einen unsagbar knifflig ist, kann für Dich ein Klacks sein. Für mich stellen die ersten Sätze eines neubegonnenen Romans nicht unbedingt eine sonderlich große Herausforderung dar. Dennoch ist und bleibt mein liebster Freund beim Schreiben die Löschtaste. Man setzt an und löscht. Schreibt ein paar Worte und Schwupps! ist die Seite wieder leer. Dass man mehrere Male beginnt und doch nicht zufrieden ist, ist völlig normal. Man möchte den Lesern immerhin am liebsten umgehend gefallen; die Geschichte soll sofort zupacken und mitreißen, ohne Inhalt vorweg zu nehmen.

Wie, wo und wann setze Ich aber mit meiner Geschichte an?

Wenn Du dir nicht hundertprozentig sicher bist, wie Dein Text einsetzen soll, probiere einige Varianten aus. Du kannst mit einem Dialog beginnen, mit einer Beschreibung weiter ausholen oder unmittelbar im Geschehen beginnen. Wenn Du dir unsicher bist, schalte für einen Moment deinen Kopf aus und schreibe einfach drauf los. Du kannst den Anfang jederzeit wieder ändern. Das gilt sowieso bei allem, was Du niederschreibst. (Du wirst noch oft genug über deine Seiten lesen und Änderungen vornehmen.)
Wichtig ist jedoch, dass Du dir bestenfalls erste Gedanken zu den Handlungen gemacht hast. Diese können natürlich zunächst bloß grob sein und müssen nicht schon einen eigenständigen Roman bilden. Ein Handlungsgerüst kann hilfreich sein, wenn Du einmal nicht weiter weißt oder Du befürchtest von deiner ursprünglichen Idee zu sehr abzuweichen. Ich persönlich beginne häufig blind aus einer Situation heraus und bilde mein Gerüst erst im späteren Verlauf um das vorhandene Konstrukt, baue es somit während des Schreibens mit Weitblick aus. Schlägt die Geschichte plötzlich um und führt in eine andere Richtung, ist das nicht schlimm.

Ein gewisses Maß an Eigenleben ist für die Dynamik der Geschichte wünschenswert.

Ich beginne ein Projekt gezielt mit Bildern und Situationen, die mir in den Sinn kommen. Danach soll es sich relativ frei gestalten, sodass Ich schließlich bloß noch verschriftliche, ohne zu sehr zu lenken. Womöglich kommt dir dieser Moment bekannt vor und Du erkennst dich selbst wieder. Wenn nicht, ist das auch völlig in Ordnung. Solange Du dich mit deiner Arbeitsweise wohlfühlst, ist sie auch die richtige.
Wozu Du dir vor Beginn allerdings sehr wohl Gedanken machen solltest, sind deine Charaktere. Mach dir zumindest von deinen Protagonisten und Schlüsselfiguren ein genaueres Bild. Es muss noch nicht einmal ein Bild des Äußeren sein, viel wichtiger ist der Charakter deiner Charaktere.

Was zeichnet deine Hauptfigur(en) aus? Was sind Charakterzüge, Verhaltensmuster und Gewohnheiten von ihnen? Wie ist ihr Wesen?

Hilfreich ist hierbei die Anfertigung von Steckbriefen oder einer kurzen Beschreibung (Charakterisierung). Auch diesen Punkt kannst Du für dich als überflüssig oder zu aufwendig abtun und deiner eigenen Methode nachgehen. Der Vorteil an diesem Arbeitsschritt ist allerdings, dass er deine „Figuren“ für dich und deine Leser greifbar und real macht. Du hauchst ihnen eine Seele und Leben ein, schreibst ihnen eine eigene Vergangenheit und Geschichte zu, die nicht erzählt wird, jedoch vorhanden ist. Dadurch gewinnen sie an Authentizität und erscheinen dem Leser zugänglicher. Wie bei den Handlungen kann es dabei natürlich ebenso zu Entwicklungen und Brüchen in der Persönlichkeit kommen.

Vielleicht überraschen dich deine Charaktere ja.

Wenn Du deine Richtung und Protagonisten kennst, steht deiner Geschichte (fast) nichts mehr im Weg.
Und das ist unsere Lektion 3: Kenne deine Figuren und ihr Handeln gerade gut genug, damit man ihnen glaubt und sie erkennt; sie aber dennoch voller Überraschungen stecken!
Wie, wo und womit Du anfängst, liegt bei dir. Mach dir nicht zu viele Gedanken, setz dich dran, mach dich ans Werk und finde den Einstieg. Ist erst der Anfang geschafft, bist Du bereits einen großen Schritt näher am fertigen Buch.
Also: Fingerkuppeln einölen und rein in die Tasten!

Erfolgreiches und kreatives Schaffen – und immer schön den Büchersnack griffbereit halten!

D. B. Granzow

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